12 Dezember 2013

[Rezension] Ich und Earl und das sterbende Mädchen.

KLAPPENTEXT

"Was Greg mag: sich in der Schule so unauffällig zu verhalten, dass er nahezu unsichtbar wird. Gelegentlich mit seinem Freund Earl einen Film zu drehen. Seine Ruhe. Was er nicht mag: die Idee seiner Mutter, der todkranken Rachel beizustehen. Womit er nicht gerechnet hat: Rachel selbst, die keinen braucht, der sie bemitleidet, und die ihre ganz eigene Vorstellung von jenen Tagen hat, die ihre letzten sein könnten …
Die Taktik des siebzehnjährigen Greg ist ganz klar: Sich möglichst aus allem raushalten, so übersteht man die Highschool-Jahre am besten, ohne in irgendeiner unliebsamen Clique zu stranden. Einzig mit dem zynischen Earl ist Greg befreundet – wobei »befreundet« es nicht ganz trifft. Earl und er haben vielmehr ein gemeinsames Projekt. Sie drehen Filme, in denen sie den Klassikern der Filmgeschichte nacheifern. Als Gregs Sandkastenfreundin Rachel an Leukämie erkrankt und Greg sich »um sie kümmern« soll, sieht er nur eine Chance, dem Auftrag nachzukommen und gleichzeitig seinen Prinzipien treu zu bleiben: Greg und Earl drehen einen Film für Rachel. Und irgendwann währenddessen kommt Greg dann doch aus der sicheren Distanz hinter der Kamera hervor und nimmt von Rachel Abschied …"

DANKESCHÖN AN HEYNE FLIEGT UND BLOGG DEIN BUCH. ZUM BUCH GEHT ES HIER.


MEINE MEINUNG

Erster Satz: "Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses bescheuerte Buch schreiben soll."

Lieber Greg, leider drückst du damit genau das Gefühl aus, dass auch ich beim Schreiben dieser Rezension verspüre. Wie schreibe ich eine einigermaßen gute Rezension zu einem Buch, an dem mir genau 4 Seiten nur so halbwegs gefallen haben, nämlich die Seiten 278 - 281?

Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass ICH UND EARL UND DAS STERBENDE MÄDCHEN mir gefallen wird. Viele der englischen Buchblogger haben das Buch in den höchsten Tönen gelobt, es wurde in einem Atemzug mit DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER genannt und die bisherigen Rezensionen waren überwiegend gut bis sehr gut. Auch ich habe das Buch heute gelesen, an nur einem Tag... allerdings nur aus dem Grund, dass ich es so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte, nachdem ich die ersten 50 Seiten gelesen habe.

Greg erzählt die gesamte Geschichte aus seiner Sicht und der Stil lässt einen glauben, dass man direkt beim Entstehungsprozess des Buches dabei ist. Es ist so, als würde man Greg beim Schreiben über die Schulter sehen. Er spricht den Leser direkt an, macht einige Aussagen über seinen Schreibfortschritt und schreibt einfach von der Leber weg, was leider manchmal oder eher sehr oft ziemlich stümperhaft klingt. Am Anfang mag dieses lockere, teilweise gezwungen witzige und leicht "prollo"-artige ja noch ganz witzig sein, aber je weiter man im Buch kommt, desto nerviger und künstlicher wird es und Greg kommt dadurch einfach wie ein, das muss ich jetzt so sagen, Vollidiot daher.

Der Autor geht aber von der ersten Seite an ganz gewitzt vor. Er schraubt die Erwartungen an das Buch herunter, in dem er es selbst schlechtredet, alles durch die Stimme von Greg, siehe den ersten Satz des Buches. Solche Anspielungen darauf, dass dieses Buch nicht so ist wie andere Jugendbücher und deswegen auch nicht deren typische Wendungen hat, kommen immer wieder vor und wirkten auf mich ab einem gewissen Punkt einfach nur noch lächerlich, wie eine Art Entschuldigung, dass das Buch eben so ist, wie es ist. Greg erklärt am Ende auch, warum er das Buch schreibt und warum er es so macht, wie er es eben macht, aber das macht die restlichen Seiten leider nicht wieder wett.

Die Sprache des Buches ist vulgär und manchmal einfach nur abstoßend, vor allem im Bezug auf Gregs Freund Earl, der scheinbar nicht glücklich ist, wenn nicht jedes dritte Wort aus seinem Mund irgendwas Beleidigendes ist. Seine Brüder, die sich auch einfach grundlos gegenseitig verprügeln, sind da nicht besser und ich frage mich, ob das wirklich sein musste. Earl hat zum Ende hin einen hellen Moment und das fand ich auch sehr gut, aber auch hier ist es so, dass das die vorangegangenen Dinge nicht besser macht. Die Dialoge zwischen Greg und Earl haben mir einfach nur Kopfschmerzen bereitet und ich gebe zu, manchmal habe ich sie auch einfach überflogen. 

Das schlimme ist, dass ich Earl, trotz seine "freien Schnauze" sympathischer fand als Greg. Es ist nun mal Gregs Masche, nicht zu auffällig zu sein, aber wenn man sich dazu ständig selbst mies machen muss, wie soll ich ihn dann leiden können? Bücher, in denen mir der Protagnist nicht sympathisch ist, haben es bei mir nicht leicht. Manchmal dauert es, bis man sie kennenlernt und sie zu schätzen weiß, aber Greg konnte ich von der ersten bis zur letzten Seite nicht leiden. Ich glaube einfach, dass wenn man sich selbst nicht mag, auch andere einen nicht mögen können. Und das glaube ich auch für Buchcharaktere. Am Ende des Buches, aber auch während der Geschichte merkt man, dass Greg sein "altes" Ich auch nicht besonders mag, aber an seiner Einstellung hat sich nicht wirklich etwas geändert. Er ist immernoch sehr "jammerig" und als Earl ihn einmal deswegen angeschrien hat, konnte ich ihm in Gedanken nur auf die Schultern klopfen. 

Neben den beiden Jungs wäre da noch Rachel, deren Charakter und Geschichte neben den ganzen Anektoden über Gregs Filme, Gregs Mädchengeschichten, Gregs Gejammere, Gregs Gelaber über Alienkotze, Gregs Einteilung der Highschool-Gruppen und Gregs sonstigen Unwichtigen Eskapaden leider überhaupt nicht in den Vordergrund tritt. Wir lernen von Rachel kaum etwas kennen, was Greg dann auch in seinem Moment der Erleuchtung auf Besagten Seiten 278-281 merkt, weswegen auch ihr Schicksal mich leider überhaupt nicht packen konnte. In dem Buch geht es eigentlich nur um Greg und seine Filme und weniger um ihn und seine Beziehung zu den anderen, die er auch eigentlich nicht wirklich will und versteht... daher passt der Titel ICH UND EARL UND DAS STERBENDE MÄDCHEN ganz gut... Der Esel nennt sich immer zuerst und dann kommen die anderen Prioritäten in absteigender Reihenfolge. 

Es tut mir leid, aber ich konnte dem Buch absolut überhaupt nichts abgewinnen. Ich lese gerne Bücher, die mich unterhalten, mich berühren, mich an den Seiten kleben lassen, die mich mit den Protagonisten mitfiebern lassen, mich ganz in ihre Welt holen... Gregs Geschiche hat mich nur dazu gebracht erleichtert aufzuatmen, als ich die letze Seite umgeblättert hatte. Da frage ich mich natürlich, ob es an mir liegt, ob ich die Botschaft nicht verstanden habe, ob es zu hoch für mich war? Egal was es ist, ICH UND EARL UND DAS STERBENDE MÄDCHEN hat mir einfach nicht gefallen. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

Der fürchterlich gezwungen witzige Schreibstil; Greg, der sich nicht mal selbst ernst nehmen kann; die tausend kleinen Geschichten, die ich einfach nur langweilig fand; Rachels Geschichte, die einfach in den Hintergrund gerückt wird - all das hat mich leider überhaupt nicht an das Buch binden können. Greg verspricht nicht zu viel wenn er sagt, dass sein Buch anders ist als andere Jugendbücher - Nur leider war es viel zu anders für mich.

Leider kann ich ICH UND EARL UND DAS STERBENDE MÄDCHEN nur einen kleinen Pancake geben... Ich habe leider absolut nichts gefunden, was eine bessere Wertung gerechtfertig hätte.

DIE RECHTE VON COVER UND KLAPPENTEXT LIEGEN BEIM VERLAG HEYNE FLIEGT.

Kommentare:

  1. Hallo Lisa,

    na das scheint ja mal ein richtiger Reinfall gewesen zu sein...habe das Buch eigentlich auch schon ne Weile aus dem "Augenwinkel" beobachtet. Aber von dort ist es nach dem Lesen deiner Rezi irgendwie verschwunden. Danke für die anschauliche Beschreibung :-)

    LG

    Kay

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    1. Hach, es tut mir ja leid, dass ich es habe verschwinden lassen, aber ich glaube nicht, dass das Buch etwas für euch wäre, daher hier auch nicht der Spruch" Probiert es einfach mal" :D !

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  2. Tcha dann kannst du dich ja mit der Tanja zusammentun xD

    Nachdem ihr das Buch jetzt beide nicht mochtet und Tanja mir auch schon erzählt hat, was da für ein Mist als Handlung verkauft wird, werde ich es dann definitiv auch nicht lesen!

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    1. Ja das kann ich wohl :D !

      Also ich finde es eine Schande, dass es wirklich mit so Büchern wie "Das Schicksal" ist ein mieser Verräter in einem Atemzug genannt und verglichen wird. Für mich war das ein "Wie bekloppt ist Gregs Leben"- Buch in dem auch ein an Krebs erkrantes Mädchen vorkommt. Und der Klappentext passt einfach mal gar nicht...

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  3. Hey Lisa,

    mir tut das irgendwie total leid, dass es dir nicht gefallen hat :/ Deine Rezension klingt auch so richtig nachvollziehbar und mega enttäuscht...immerhin ist alles sehr gut begründet und ich denke, dass Leute, die das Buch eventuell noch lesen möchten, sich ein gutes Bild machen können. Ich fand es ja wirklich genauso grauenvoll und konnte meinem Ärger wenigstens Luft machen...schade, wenn man sich auf etwas freut und dann sowas dabei herumkommt -_-

    Liebe Grüße! <3

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    1. Deinen Pony-Post habe ich dann im Nachhinein gelesen (sonst hätte ich es wohl gar nicht mehr angerührt) und konnte deinen Frust auch vollkommen verstehen. Normalerweise kann ich bei Bücher, die mir nich gefallen haben auch verstehen, wieso sie anderen gefallen könnten, aber bei diesem hier verstehe ich es echt ganz und gar nicht. Vielleicht, wenn man mit anderen Erwartungen herangeht... Keine Ahnung. Schade schade. Aber gut, dafür kann ich andere Bücher wieder um so mehr schätzen :)

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  4. Also ich finde das Buch richtig cool :D

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    1. Das freut mich wirklich für dich :D !

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  5. Oh okay, deine Rezension hat mich jetzt doch etwas schockiert :D
    Hatte mich bei BloggdeinBuch auch für den Roman beworben, es gab jedoch zu viele Teilnehmer.
    Habs deswegen jetzt für Weihnachten bestellt :D
    Ich hoffe, meine Meinung zu dem Buch fällt positiver aus :D
    Liebe Grüße,
    Lesekatze

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    1. Du glaubst ja nicht, wie schockiert ist selbst war :D !
      Ich hoffe wirklich, dass es dir besser gefällt. Lass es mich doch dann kurz wissen :)

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  6. Ich hatte schon die Rezension auf Tanjas Blog gelesen und war richtig schockiert, wie grauenhaft dieses Buch ist. Deine Meinung hat mich noch mehr darin bestätigt, von diesem Buch die Finger zu lassen. Ich finde, Titel und Klappentext suggerieren was ganz anderes, man erwartet eine tiefgründige, berührende Geschichte und kriegt etwas bei dem ich ganz hart sagen möchte, dass es sich nicht so anhört, als sei es das Papier wert, auf dem es gedruckt worden ist.

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    1. Das würde ich jetzt mal so unterschreiben :D !

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  7. Schade, ich hatte mich richtig auf das Buch gefreut, weil ich es einfach schon seit einer Ewigkeit lesen will und es auch bereits gekauft habe -,- Naja, mal sehen, auch wenn ich keine große Hoffnung mehr hege, für gezwungene Schreibstile habe ich nämlich nicht allzu viel übrig.

    Liebe Grüße,
    Bramble

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    1. Ich hoffe, es gefällt dir besser als mit. Das nächste mal am besten keine negativen Rezensionen vorher lesen, das nimmt sonst wirklich den Spaß. Ich mache das auch immer erst hinterher.

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  8. Hi Lisa,
    ich wollte dir nur bescheid sagen, dass ich deine Rezension in meiner Rezension [auch nur eine Belle] zum Buch verlinkt habe, als Beispiel von anderen Meinungen. Ich hoffe das ist in Ordnung. Name und Blogname sind angegeben.

    Grüßlies
    Vanessa

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Hallöchen :)

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Liebe Grüße :)