23 Mai 2013

Rezension: Ich blogg dich weg

- EINZELBAND - MÄRZ 2013 - LOEWE -

KLAPPENTEXT
"Julie ist schön, beliebt und kann wundervoll singen. Zusammen mit ihrer Band will sie am Schulfest auftreten. Doch wie aus dem Nichts erhält Julie gemeine E-Mails, Beschimpfungen, Drohungen. Dann taucht im Internet ein gefaktes Facebook-Profil auf, das Julie als arrogante Zicke darstellt. Im Nu lästern Klassenkameraden und wildfremde User online über sie.
Julie verzweifelt. Wer tut ihr das an? Als sie auch noch die Band verlassen soll und die Drohungen in Gewalt umschlagen, eskaliert die Situation. "




MEINE MEINUNG
Wenn ihr euch jetzt gedacht habt, dass Ich blogg dich weg doch eigentlich nicht die Sorte Buch ist, die ich sonst lese, dann liegt ihr damit richtig. Kein Fantasy-Roman, keine angekündigte Liebesgeschichte und keine dystopischen Anzeichen weit und breit. Das Buch war eine Überraschung des Verlages an einige Blogger und als ich es ausgepackt habe, war ich erst ein wenig skeptisch.

Ganz vorne im Buch befindet sich ein Hinweis des Verlages, dass es auch passende Lehrerhandreichungen zu der Geschichte gibt. Das war schon mal ein erster Hinweis darauf, mit was für einem Buch ich es zu tun habe. Die Schullektüre fand ich damals in der Schule mal mehr, mal weniger gut und die ganzen alten Schinken mit den endlosen Interpretationen sind mir nie besonders ans Herz gewachsen. Neuere Lektüre haben wir kaum gelesen und wenn dann eher im Englischunterricht. Daher war ich doch sehr gespannt, ob Ich blogg dich weg sich wirklich als Schullektüre eignet und wie gut es auf das Thema Mobbing eingeht. Ich finde ja, man sollte sich in der Schule unbedingt mir aktuellen Themen auseinandersetzen, vor allem solchen, die sonst eher totgeschwiegen werden.

Die gerade mal 160 Seiten haben einerseits den Vorteil, dass man beim Lesen am Ball bleibt und das Buch in gerade mal 2 Stunden durchlesen kann. Andererseits bleibt da natürlich nicht viel Zeit, um die Geschichte mit vielen Details auszuschmücken und die Spannung nur langsam ansteigen zu lassen. Dadurch passiert alles sehr schnell, aber trotzdem kann das Buch seine "Message", wie man so schön sagt, deutlich machen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass das Buch aus so unterschiedlichen Perspektiven geschildert ist. Es gibt da Julie, das hübsche und beliebte Mädchen; Jasmina, ihre beste Freundin; ihr Zwillingsbruder Sebastian, der nette Junge von nebenan; Ela, die man wohl als "Zicke" bezeichnen könnte; Lisa, das Gothikmädchen und Außenseiterin und Marek, der verwöhnte, aber bisweilen auch etwas schroffe Typ. Sie alle haben sehr unterschiedliche Charaktere, Lebensgeschichten und Meinungen, wodurch wohl jeder Leser einen Charakter finden kann, mit dem er sich am besten identifiziert, egal ob Mädchen oder Junge. Das ist für eine Diskussion im Klassenverband wohl ideal. Aber natürlich kann man sich auch in alle anderen Charaktere hineinversetzen, ihre Gedanken und Gefühle sind so gut geschildert, dass es gar nicht anders geht. So hat man mit dem "Bösewicht" auch mal Mitleid und dem "Opfer" möchte man vielleicht mal einen guten Rat und einen Schubs in die richtige Richtung geben. Es ist nicht alles "Schwarz" und "Weiß" und das ist schon mal die erste Botschaft, die Ich blogg dich weg vermittelt.

Was Ich blogg dich weg aber am deutlichsten zeigt, ist, was Mobbing anrichten und vor allem, welche Ausmaße es annehmen kann. Was mit einem recht "kleinen Scherz" beginnt, entwickelt sich sehr schnell zu einem "Shitstorm" um es mal modern zu sagen. Auf einer gefakten Profilseite wird beschimpft was das Zeug hält, immer mehr und immer schlimmer. Zum einen ist es wohl der Gruppenzwang, zum anderen aber auch die Anonymität und Distanziertheit des Internets, die es einem ermöglicht, mit nur ein paar Worten einen anderen schlecht und sich  selbst besser zu machen, ohne sich den Konsequenzen stellen zu müssen. Das schlimme ist, dass manche es nicht mal für nötig erachten, ihre wahre Identität zu verbergen und Leute beleidigen, die ihnen nie etwas getan haben und sich nicht einmal dafür schämen. Es war wirklich heftig zu lesen, wie weit so etwas gehen kann. Das richtig Krasse ist aber, dass es keine Fiktion ist, sondern dass es solche Fälle wirklich gibt. Bekannte Beispiele sind Retaeh (17) und Audrie (15). Bilder ihrer Vergewaltigungen sind auf Facebook gepostet worden und an dem Mobbing-Sturm, der dadurch seinen Lauf genommen hat, sind beide Mädchen zerbrochen und nahmen sich das Leben. Auch Amanda (15) wurde ein Opfer des Cybermobbings und wird als "Symbolfigur des Cybermobbings" bezeichnet.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist Ich blogg dich weg keine leichte Kost. Julie, das Opfer,  fühlt sich eingeschüchtert, sie schämt sich und geht irgendwann nicht mehr zur Schule. Sie hat Angst, sagt aber zu niemandem ein Wort. Und hier zeigt sich eine weitere Botschaft des Buches: "Schweigen schürt nur Angst und Scham." Es ist besser, gleich über solche "Attacken aus dem Netz" zu berichten und sich an Eltern, Lehrer oder Freunde zu wenden. Schweigen bringt Niemandem etwas.

Ich blogg dich weg kann vielleicht nicht mit den sympathisches Charakteren und der spannendsten Handlung aufwarten, aber seine Botschaft bringt es klar und deutlich rüber. Was bedeutet Mobbing? Wie fühlt sich das Opfer dabei? Wie weit kann das alles führen? Was mache ich am besten, wenn ich selbst betroffen bin oder ein Freund von mir? Über all diese Fragen denkt man zwangsläufig nach, wenn man das Buch liest. Es rüttelt wach, da einem vor Augen geführt wird, dass Mobbing jeden treffen kann, selbst die beliebtesten Personen. Auch über die Offenherzigkeit, mit der man persönliche Informationen im Internet verbreitet macht man sich Gedanken. Zumindest was das bei mir so.

Und die Unterhaltung? Auch die kommt in Ich blogg dich weg nicht zu kurz. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, weil ich natürlich wissen wollte, wer denn nun hinter dieser Gemeinheit steckt. Ich habe mich in die Irre führen lassen und war über die Auflösung sehr überrascht. Insofern eignet sich das Buch also auch gut für ein paar spannende Lesestunden, aber der Beigeschmack des ernsten Themas war immer da.

Ich blogg dich weg hat alles was eine gute Schullektüre braucht: Unterhaltungswert, ein aktuelles Thema, eine "Take-Home-Message" und Charaktere, bei denen für jeden etwas dabei ist und sich somit gleichermaßen für Mädchen wie auch Jungs eignet. Einfach nur für den Lesespaß würde ich es wohl nicht empfehlen, aber falls hier Lehrer anwesend sind, die ihren Schülern mal etwas Spannendes und gleichzeitig lehrreiches bieten wollen, dann kann ich Ich blogg dich weg nur empfehlen! Die Lehrerhandreichung kann man HIER finden. 

An dieser Stelle gibt es mal nicht das typische Fazit und keine Pancakes, sondern einfach nur den Vermerkt, dass sich das Buch die volle Punktzahl verdient hat. Der 5. Pancake mit den Herzchen hätte nämlich einfach nicht zu dem Thema gepasst.

Kommentare:

  1. Hallo Lisa,

    von dem Buch war ich auch richtig überrascht. Vor allem fand ich gut, wie dieses ernste Thema suggeriert wurde. Ich fühlte mich durchweg gut unterhalten, aber auch zum Nachdenken angeregt. Eine wirklich tolle Rezension!!!

    LG

    Kay

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    1. Dass auf 160 so viel passier und so viel vermittelt wird, hätte ich auch nicht gedacht. Es ist wirklich ein Vorzeige-Buch.

      Danke :)

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  2. Die Rezension klingt ja echt interessant. Hab das Buch gleich mal auf meine Amazonwunschliste gepackt. Das wird dann wohl bei der nächsten Nachschubbestellung mit dabei sein.

    LG,
    Sandra

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    1. Dankeschön und schon mal viel Spaß beim Lesen. :)

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Hallöchen :)

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