20 Mai 2012

Wenn man nachts nicht schlafen kann...


Hallo ♥

Kennt ihr das, wenn man nachts nicht schlafen kann, weil man sich ständig wechselnde Bilder im Kopf hat und man einfach zu unentspannt ist, um zur Ruhe zu kommen? Ich hatte das vor ein paar Tagen. 
Ich hatte vor ein paar Nächten einen wirklich komischen Traum von einer Szene, die mich einfach nicht losgelassen hat. Ständig kamen dann noch neue Bilder dazu und ich bin sie einfach nicht losgeworden. So kam es dann, dass ich in einer Nacht um 01:00 Uhr noch vor meinem Laptop gesessen habe und diese Szene niedergeschrieben habe. Sie musste einfach raus! Ich glaube ich lese eindeutig zu viele Fantasy Bücher, denn sonst hätte ich so etwas bestimmt nicht geträumt :D

Nun ja, ich präsentiere sie euch also nun, meine um ein Uhr nachts verfasste Szene zweier namenloser Menschen, die mich ein paar Tage verfolgt hat... Einfach nur so :)


ER
Ich sehe sie tanzen.



Dieser Tanz, in den sie vollkommen versunken ist, ist anders als jeder Tanz, den ich je gesehen habe. Sie spring nicht herum, dreht sich nicht wirbelnd im Kreis, lacht nicht schallend.

Es ist ganz anders. Sie hat einen verschlossenen Gesichtsausdruck, gleichzeitig kommt sie mir aber auch entspannt vor. Ich kenne sie nur mit diesem wachsamen, aufmerksamen Blick, ständig in höchster Konzentration, in jeder Sekunde bereit, sich auf Angreifer zu stürzen. Wie hat ihr Leben wohl bisher ausgesehen, dass sie ständig so angespannt ist?  Auch jetzt ist sie konzentriert, das sehe ich, aber es ist eine Konzentration auf ihr Inneres, ihre Bewegungen. Ich beobachte ihre Schritte, die scheinbar einem komplizierten Muster folgen. 

Während sie so tanzt wird mir klar, dass ich sie gerade bei etwas beobachte, dass eigentlich niemand sehen soll. Warum sonst schleicht sie sich nachts allein vom Lager weg, während alle anderen schlafen? Alle, außer mir. Ich muss grinsen. Wie leicht es war, sie zu täuschen. Trotzdem überkommt mich jetzt ein schlechtes Gewissen. Ich hätte ihr nicht folgen sollen. Andererseits finde ich es aber aufregend, mal eine ganz andere Seite von ihr zu sehen. Sie ist anders, als sie uns glauben machen mag. Sie ist jemand anders. Ich weiß nicht, welches Geheimnis sie hütet, aber ich werde dahinterkommen. Früher oder später.

Ich verlagere mein Gewicht, so dass ich nun etwas besser an dem Baum lehnen kann, hinter dem ich mich verstecke. Ich kann außer meinem leisen Atem nichts hören, sie aber  hält plötzlich in ihrer Bewegung inne. Die Augen noch geschlossen, neigt sie den Kopf  ganz leicht in meine Richtung. Ich halte den Atem an. Mein Herz klopft schneller. Hat sie mich entdeckt? Bitte, alles nur das nicht. Ich lasse ein kleines Stoßgebet zum Himmel los. Bitte, lass sie mich nicht entdeckt haben.

Nach einer Ewigkeit, so scheint es mir, nimmt sie ihren Tanz wieder auf und ich wage einen Atemzug. Ich muss vorsichtiger sein. Eigentlich sollte ich jetzt gehen, sie alleine lassen. Aber ich kann nicht. Ich betrachte ihre lockigen Haare, die im Mondschein glänzen und die ihr über die Schultern auf Brust und Rücken fallen. Sie bewegen sich mit ihr und durch das Schattenspiel sieht es so aus, als wären sie lebendig. Ich würde gerne wissen, wie ihre blauen Augen im Mondlicht aussehen. Ich stelle mir vor, wie sie glänzen. 

Glanz. Endlich fällt mir auf, was mich an ihrem Tanz irritiert. Nicht nur, dass sie einer Abfolge von Schritten folgt, auch ihre Arme bewegen sich in einem Rhythmus, der sich mir nicht erschließt. In der rechten Hand hält sie etwas metallisch Glänzendes, wie eine Verlängerung ihres Armes. Ich sehe es ab und an aufblitzen. Es ist ein Schwert. Es muss sehr leicht und filigran sein, sonst könnte sie es mit ihrem fein gebauten Körper nicht so einfach durch die Luft gleiten lassen. Ich habe es noch nie gesehen. Tausend Fragen schießen auf einmal durch meinen Kopf. Woher hat sie dieses Schwert? Wozu braucht sie es? Wieso hält sie es vor uns versteckt? Was aber wohl am wichtigsten ist; woher weiß sie, wie man damit tanzt?


 SIE

Linkes Bein zur Seite.

Ich weiß, dass er da ist und mich beobachtet. Ich weiß es von der ersten Sekunde an. Ich habe ihn gehört, in gerochen, ihn gespürt. Meine Sinne sind im Dunkeln besonders geschärft. Da ich den Dakanje schon öfter vor den Mitgliedern der Leibwache vorgeführt habe, stören mich Beobachter eigentlich nicht. Dennoch macht mich seine Anwesenheit nervös. Plötzlich habe ich das Gefühl zu versagen. Ein falscher Schritt und alles war umsonst. Ich will nicht versagen, wenn er mich beobachtet.  
 
Mit dem Oberkörper eine Drehung nach rechts.

Meine Angst ist unbegründet. Ich habe noch nie versagt.

Den linken Fuß in einem weiten Bogen nach hinten.

Ich weiß allerdings, dass er Angst davor hat, von mir entdeckt zu werden. Er hat gesehen, wozu ich fähig bin, wenn ich mich bedroht fühle. Ihn dabei zu ertappen, wie er mir hinterher schleicht und mich heimlich beobachtet, gibt mir allen Grund, ihn zu bestrafen. Nur so würde er lernen, es nicht wieder zu tun. 

Rechter Arm über den Kopf, die Schwertspitze zeigt zu Boden. 

Aber ich tue es nicht.

Der linke Arm beschreibt einen Bogen.

Ich lasse ihn einfach dort im Dunkeln stehen. Ich lasse ihn in seinem Glauben, dass er es geschafft hat, mich unbemerkt zu verfolgen. Bei jedem anderen wäre er vielleicht unentdeckt geblieben, aber nicht bei mir. Es wäre sinnlos, ihn zu verärgern und in seinem Ego zu verletzten. Außerdem will  ich nicht, dass er alles von mir weiß. Er hat mich mit meinem Schwert gesehen, das kann ich verschmerzen, aber er muss ja nicht  wissen, dass meine Sinne zu scharf sind. Es ist gut, wenn er mich unterschätzt. Es ist auch gut, wenn er Respekt vor mit hat. Und was flößt einem Mann wohl mehr Respekt ein, als eine gekonnt eingesetzte Klinge. 

Auf das linke Bein stützen, Kopf zur Seite.

Als er sich bewegt, um seine Position zu verändern, ist er dabei wirklich laut. Er mag es vielleicht nicht hören, aber ich höre es genau.  Das gedämpfte Reiben seiner Sohlen auf dem Waldboden, das leichte Kratzen seiner Kleidung an der Baumrinde. Sein Atem. Ich bleibe stehen und neige den Kopf in seine Richtung. Ich merke, wie er aufhört zu Atmen während seine Haltung sich verkrampft. Einen kleinen Moment überlege ich, ob ich ihn nicht doch bloßstellen soll. Ich habe aber keine Lust zu reden, keine Lust darauf, mich zu erklären.

Ich stehe da und atme. Ein. Aus.

Dieses eine Mal lasse ich dich noch laufen, denke ich, während mir ein kleines Lächeln über das Gesicht huscht. Ich fühle den Griff in meiner Hand, das kühle Metall und ich ertappe mich dabei, wie ich mir wünsche, ich würde nicht das kalte, tödliche Schwert halten, sondern seine warme, raue Hand. 

Ich atme. Ein. Aus.

Dann verfalle ich wieder dem Rhythmus des Dakanje und vergesse einfach, dass er da ist.

© Lisa Rosenbecker


Je öfter ich diese Szene vor meine Augen ablaufen lasse, desto mehr Ideen bekomme ich für eine Geschichte drumherum. Vielleicht werde ich mich damit näher befassen, wenn ich wieder mehr Zeit habe :)

Für Namensvorschläge bin ich übrigens offen ;) Es sollten allerdings ein paar ausgefallene Namen sein :)

Liebe Grüße ♥ Lisa

Kommentare:

  1. Oha !:o

    Das ist richtig gut! Du musst unbedingt weiterschreiben :) Einen Namen habe ich zwar so noch nicht, aber du solltest WIRKLICH mehr schreiben !;)
    Ich würde nur zu gern mehr lesen :)

    Liebste Grüße und großes Staunen Alina :)

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  2. Sehr schön!
    Und absolut mein Stil (zwei verschiedene Ich-Erzähler) ;-)
    Ich finde man kann so viel authentischer mitteilen, als es ein Dritter je könnte. Unbedingt weiter schreiben! Die Namen werden am Ende in Word ersetzt, du musst dich ja nicht gleich entscheiden ;-)

    Weiter so!

    Lg

    Steffi

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  3. Dankeschön für das Lob :) Da freue ich mich wirklich ♥
    Ich habe mittlerweile eine ziemlich konkrete Idee für eine Geschichte um diese Szene...mal schauen ob ich dazu komme, sie komplett aufzuschreiben :)

    LG ♥

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  4. Schick schick :)

    Du musst auf jedenfall weiterschreiben. Der Anfang ist schon ziemlich gut. :)
    Ich liebe Bücher/Geschichten aus der Perspektive von zwei verschiedenen Ich-Erzählern

    LG
    Anja

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  5. Diese Szene spielt eher in der Mitte meiner Geschichte. Es wird einen anderen Anfang geben. Ich hab da auch schon so eine Idee :D Der Rest wird auch aus 2 Perspektiven sein. Ich hoffe,ich bekomme das so hin, wie ich es mir vorstelle :))

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  6. sowas kenn ich auch ^^

    danke für den follow
    ..
    followed back <3

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  7. wirklich schön geschrieben und hat mich sehr neugierig gemacht :D <3

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  8. Oha!!! Das ist richtig, richtig toll, einfach super :D Ich war sowas von gefesselt Lisa ;)

    Schreib bitte weiter! Unglaublich, dass manchen Menschen einfach so irgendwann nach Mitternacht so tolle Ideen haben können *verträumt guck* Mach weiter so! Ich meins ernst ;) !

    GLG, Leyla

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  9. Ich kann mich nur anschließen, toll geschrieben :D Mach bitte weiter, du hast wirklich talent zum schreiben^^

    Freue mich schon irgendwann mehr zu lesen ;)

    Ganz liebe Grüße
    Nicole

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  10. @Survana Gold: Herzlich Willkommen auf meinem Blog :) Danke fürs Leserin-werden :)

    @Tanja: Und das Lob von dir, die du ja schon ein Buch geschrieben und veröffentlicht hast :) *doppeltstolzbin* Ich lese es bald auch endlich x)

    @Ley: Uiii, das werd ich ja ganz rot o.O Ich schreibe fleißig weiter, am besten wieder um Mitternacht :D Ich habe da schon so ein paar Ideen <3

    @Sunshine: Auch dir: Danke :) Vielleicht gibt es in den nächsten Wochen ja mal was neues ;)

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  11. Aus eigener Erfahrung weiss ich das Träume oder auch Gedanken die man so vom Wachen ins Schlafen und umgekehrt hat, oft entweder etwas Sprituelles haben oder aber (wie in deinem Fall) zu einer Geschichte inspirieren können.
    Vielleicht hast Du ja , in der nacht noch anderer Gedanken zu Deiner Geschichte. Lass dich einfach inspirieren.
    *ÜBRIGENS, viele grosse Künstler unserer Zeit hatten inspierierende Träume die sie zu Famosen Werken führten. Zum Beispiel Billy Joel träumte die Melodie zu "IN the middle of the night" in einem Traum. Als o: keep going.

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  12. Ich finde man kann so viel authentischer mitteilen, als es ein Dritter je könnte. Unbedingt weiter schreiben! Die Namen werden am Ende in Word ersetzt, du musst dich ja nicht gleich entscheiden.


    kann nicht schlafen

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Hallöchen :)

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Liebe Grüße :)