17 Mai 2012

Rezension zu "Divergent"


Divergent

Veronica Roth

Verlag: Katherine Tegen Books (Mai 2011)
Seiten: 576
Preis: 7,90€ (TB)
Englische Originalausgabe
Deutscher Titel: Die Bestimmung (cbt)
Band 1 von 3 (Divergent Trilogie)
Wertung: ♥♥♥♥




Inhaltsangabe

In Beatrice Prior’s dystopian Chicago world, society is divided into five factions, each dedicated to the cultivation of a particular virtue—Candor (the honest), Abnegation (the selfless), Dauntless (the brave), Amity (the peaceful), and Erudite (the intelligent). On an appointed day of every year, all sixteen-year-olds must select the faction to which they will devote the rest of their lives. For Beatrice, the decision is between staying with her family and being who she really is—she can’t have both. So she makes a choice that surprises everyone, including herself.

During the highly competitive initiation that follows, Beatrice renames herself Tris and struggles alongside her fellow initiates to live out the choice they have made. Together they must undergo extreme physical tests of endurance and intense psychological simulations, some with devastating consequences. As initiation transforms them all, Tris must determine who her friends really are—and where, exactly, a romance with a sometimes fascinating, sometimes exasperating boy fits into the life she's chosen. But Tris also has a secret, one she's kept hidden from everyone because she's been warned it can mean death. And as she discovers unrest and growing conflict that threaten to unravel her seemingly perfect society, she also learns that her secret might help her save those she loves . . . or it might destroy her.

ACHTUNG: Da ich meine Meinung zu dem Buch nicht anders ausdrücken konnte, enthält die Rezension ein paar Spoiler. Wenn ihr das Buch noch nicht gelesen habt, es aber unbedingt noch tun wollt, dann überlegt euch lieber zwei mal, ob ihr diese Rezension lesen wollt. Mein Fazit kann man aber gefahrlos lesen, denke ich ;)


♥♥♥

Puh, ich glaube, es ist mir noch nie so schwer gefallen, eine Rezension zu schreiben. Versteht mich bitte nicht falsch, ich finde, Divergent ist ein wahnsinnig gutes Buch, es hat aber auch ein paar Seiten, von denen ich nicht genau weiß, was ich von ihnen halten, oder wie ich mit ihnen  umgehen soll.

Lasst euch erst mal gesagt sein: Divergent war nicht so, wie ich es erwartet habe. Ich wusste lediglich, es ist eine Dystopie, es gibt 5 Fraktionen und nun ja… viel mehr wusste ich nicht. Ich hatte die Inhaltsangabe total vergessen, als ich angefangen habe, das Buch  zu lesen, deswegen war ich doch sehr überrascht und teilweise auch überrumpelt davon, was das Buch beinhaltet. Ich dachte, es ist eine eher „gemäßigte“ Dystopie, zumal sie ja schon ab 14 Jahren empfohlen wird. Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich aber sagen: 14 ist definitiv zu jung!

Aber erst mal ganz langsam. Beatrice lebt in einer Stadt, in der die Menschen auf 5 Fraktionen aufgeteilt sind, die jeweils eine Charaktereigenschaft widerspiegeln. Das ist eine wirklich sehr eigene Organisation, denn ich finde, sich für nur eine dieser Eigenschaft zu entscheiden ist wirklich schwer, zumal eine Mischung aus allen doch am besten wäre. Sowohl für den Einzelnen, als auch für die Gesellschaft. Die Menschen, die führende Positionen besetzten sollten nicht nur selbstlos, sondern auch intelligent, ehrlich und freundlich sein. Dass ein solches System nicht lange bestehen kann, das ist ja wohl klar. Eine Fraktion wird sich gegenüber den anderen immer benachteiligt fühlen. Divergent spielt zu einer Zeit,  in der der Frieden zwischen den Fraktionen am Bröckeln ist..

Beatrice hat mich anfangs vor ein paar Rätsel gestellt. Ich wusste nicht genau, was ich von ihr halten soll. Das „brave“ Mädchen Image, wie es einige andere Protagonistinnen heutzutage haben, erfüllt sie nicht. Es ist schwierig, sich ein Bild von ihr zu machen, weil sie zuweilen selbst nicht weiß, wo genau sie hingehört. Da ich sie nicht einschätzen konnte, hatte ich keine Ahnung, für welche Fraktion sie sich wohl entscheiden würde. Dementsprechend hat mich ihre Entscheidung nicht überrascht, aber ich habe sie auch nicht erwartet. Man muss dabei bedenken, dass Beatrice es auch wirklich schwierig hat, sich zu entscheiden, da sie ja „divergent“ ist. Das bedeutet, in dem Test, der die Jugendlichen ihren Fraktionen zuordnen soll, konnte bei ihr nicht genau ermittelt werden, in welche Fraktion sie gehört. Sie hat also mehr Wahlmöglichkeiten als die meisten anderen. Genau das ist aber gefährlich, denn die Leute, die divergent sind, müssen sich hüten...

Wie wichtig es ist, das geheim zu halten, merkt Beatrice erst, als es schon fast zu spät ist.

AB HIER SPOILER Beatrice, die sich dann in Tris umnennt, entscheidet sich für die Dauntless Fraktion, also die Furchtlosen. Was sie dort erwartet, überschreitet wirklich jegliches Maß an Brutalität und sinnloser Gewalt. Andere zusammenzuschlagen und gegenseitiges Übertreffen hat für mich nichts mit Furchtlosigkeit zu tun, sondern mit blinder Zerstörungswut. Die Dauntless haben sich nicht in der Richtung entwickelt, für die sie einmal „gegründet“ wurden. Das müssen sich die Mitglieder dieser Fraktion auch eingestehen, obwohl aber die meisten wohl kein Problem damit zu haben scheinen.

Ich habe das Geschehen einerseits mit Schrecken, andererseits aber auch mit Faszination verfolgt. Tris und die anderen Jugendlichen, die sich für die Dauntless entschieden haben, müssen wirklich furchtbare Sachen über sich ergehen lassen. Bei der Beschreibung der brutalen Kampfszenen hat es mir allein vom Lesen überall wehgetan. Es ist schon erschreckend, wie fasziniert man angesichts dieser vielen Gewalt trotzdem noch sein kann. Ich hätte ja jederzeit aufhören können zu lesen, um mich von dieser abschreckenden Handlung zu befreien. Aber ich habe es nicht getan. Ich war viel zu neugierig. Das ist schon ein eigenartiges Gefühl.

Die Handlung umfasst größtenteils den „Alltag“ von Tris, den Drill der Jugendlichen, die Mitglieder der Dauntless werden wollen. Als wäre dieser „Alltag“ nicht schon schlimm genug, kommt nach und nach eine Art Intrige zum Vorschein, die wirklich schauderhafte Ausmaße annimmt. Es ist eine wirklich spannende Entwicklung und bis zur Auflösung selbst hatte ich keine Ahnung, was das eigentliche Geheimnis ist. 

Am Ende war ich einfach nur fassungslos. Aber auch ein bisschen fasziniert. Ich war hin und her gerissen, also auch divergent. Divergent hat es geschafft, dass ich am Ende über Entscheidungen von Tris geurteilt habe, allerdings auf eine Art und Weise, die mich doch sehr erschreckt hat. Ihr müsst euch das so vorstelle: Tris tötet am Ende einen ihrer Freunde, aus Gründen, die „nachvollziehbar“ sind, lässt aber einen anderen, der ihr wirklich übel mitgespielt hat am Leben. Mein Gedanke im ersten Moment war, wieso um alles in der Welt lässt sie ihn Leben? Wenn einer den Tod, verdient hat, dann doch er! Genau dieser Gedankengang hat mich erschreckt. Ich habe mich erschrocken vor mir selbst. Ein echt komisches Gefühl. Tris, die wirklich üble Dinge über sich ergehen lassen musste, und die allen Grund gehabt hätte, sich zu rächen, widersteht diesem Drang ihn zu töten und ich, als Beobachter, raste darüber total aus. Da bekommt man einen kleinen Abgrund in sich selbst gezeigt. 

Es gibt neben den eigenen Gefühlen aber auch einige andere Charaktere, die Dinge von sich preisgeben, mit denen man nicht gerechnet hat. Da glaubt man, man wisse alles über jeden und dann muss man sich eingestehen, dass dem wohl doch nicht so ist.
Neben all der Gewalt und den erschreckenden Szenarien gibt es in Divergent aber auch Dinge, die schön sind und einen Hoffnungsschimmer in all dem Schrecken bieten. Ich rede hier von der Verbindung zwischen Tris und Four, die im Laufe der Geschichte immer stärker wird. Natürlich haben sie aufgrund der äußeren Umstände nur geringe Chancen, eine „normale“ Beziehung zu führen, aber gerade dieses Bangen, die Hoffnung darauf, dass die beiden zusammen kommen können, begleiten den Leser durch das Buch und geben zwischenzeitlich auch ein positives Gefühl. 

Ein bisschen schade finde ich, dass es bei den Beschreibungen von einigen Handlungsorten doch etwas am Detail mangelt, so dass ich mir manche Szenarien nicht wirklich bildlich vorstellen konnte. Dem Lesefluss hat das kein Abbruch getan, aber ich habe es doch lieber, wenn ich weiß wo ich bin und wie es da aussieht, also lesetechnisch natürlich.


Fazit

Bevor man Divergent liest, sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Es ist brutal, hart, erschreckend, aber auch faszinierend, mitreißend und sehr emotional. Ich habe die spannende Handlung mit Schrecken, aber auch mit Neugierde verfolgt, bin dabei über die Charaktere und über mich selbst erschrocken. Ich Leserin fühle mich in meinen Gefühlen zum Buch auch divergent, der Name ist also Programm. Die viele Gewalt in dem Buch und die Abgründe der Personen sind kein leichter Stoff und man muss sich darauf einstellen, das eine oder andere Mal kräftig zu schlucken. Ich finde, die Altersempfehlung von 14 Jahren ist zu niedrig angesetzt! Ich bin jetzt 21 und habe schon einige Dystopien gelesen und Divergent hat mich nicht kaltgelassen, im Gegenteil, die Geschichte verfolgt mich immer noch. Trotz allem, ich bin begeisters von diesem Debut!

4 Pancakes für Divergent!




Werde ich die Fortsetzung lesen?

Definitiv JA [x]  Sehr wahrscheinlich [ ]  Vielleicht [ ] Eher nicht [ ] Definitiv NEIN [ ]


Divergent
  • Band 1
EN: Divergent
DE: Die Bestimmung 

  • Band 2
EN: Insurgent
DE: ??

  • Band 3
EN: ??
DE: ??


Kommentare:

  1. Ich habe schon von einigen gehört, dass sie die Altersempfehlung von 14 Jahren zu niedrig angesetzt finden, allerdings hatte ich mit dem Buch kein Problem, obwohl ich 14 war, als ich es gelesen habe. ;)
    Sowas ist natürlich immer Ansichtssache. :p Das Buch ist mein absolutes Lieblingsbuch und ich freue mich schon darauf, wenn Band 2 auf Deutsch erscheint. :)
    Lg Jacquy

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  2. Wir haben dich getaggt:

    http://his-and-her-books.blogspot.de/2012/05/bucher-die-mehr-aufmerksamkeit.html

    lg

    Steffi

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  3. Hmm, also ich finde, du verrätst in deiner Rezi schon zu viel. Ich hab es ja nun selbst auch gelesen. An einige Stellen solltest du aber bitte Spoiler schreiben. Ich hätte glaub ich sonst keine Lust mehr es zu lesen, einfach weil zu viel verraten wird.

    Und ich finde das Buch ab 14 passt. Ja es ist brutal und nicht ohne keine Frage. Aber wenn ich bedenke, dass viele 14/15 Jährige schon Bücher lesen, die eigentlich für Erwachsene sind, dann seh ich das nicht als Problem. Vorallem wenn du dir mal anguckst welche Filme ab 12 frei gegeben sind...

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  4. @Jacquy: Ich bin bei der Einschätzung auch eher von mir ausgegangen, ich habe mit 14 nicht solche Bücher gelesen ;) Aber klar, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es ist gut, wenn man so "früh" schon mit so einer Geschichte umgehen kann, ich glaube aber auch, dass es Jugendliche gibt, die das nicht können.

    @Leseenegel: Danke für den Hinweis! Ich werde gleich noch eine "Warnung" schreiben, dass die Rezi ein paar Spoiler enthält. Ich fand es echt schwer, eine Rezi zu schreiben, ohne auf manche Dinger genauer einzugehen. Ohne die Informationen, die ich gegeben habe, hätte ich meine Meinung nicht ausdrücken können. Ich werde deinen Rat aber beherzigen! Danke :)
    Das mit der Altersfreigabe ist mir manchmal echt ein Rätsel. Vor allem bei Filme, wie du schon sagst. Ich bin, wie auch schon oben gesagt, bei der Beurteilung von mir ausgegangen. Aber Zeiten ändern sich ja bekanntlich :D

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  5. Hey, ich habe eine Frage.. Also ich habe die Rezi jetzt nicht gelesen, da ich Rezensionen bei Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, vorher eigentlich nie lese. Also weiß ich nicht, ob du dieses Thema evtl. schon angesprochen hast, aber ich wollte einmal fragen, wie du das Sprachniveau in dem Buch so einschätzt?
    Ich überlege nämlich dieses Buch auf englisch zu lesen und möchte dann nicht allzu viel verpassen ;) Ich bin nämlich 17 Jahre alt und komme jetzt in die 12., habe also seit 7 Jahren Englischunterricht. Und ich lese schon öfter englische Bücher, weiß aber nicht ob mein Vokabular gut genug ist, da ich zum Beispiel bei "Dash and Lily's Book of Dares" schon einige Probleme hatte..
    Wäre nett, wenn du mir da helfen könntest :)

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