08 Oktober 2011

Rezension zu "Die Wildnis in mir"



Die Wildnis in mir – Gina Mayer

Verlag: Thienemann (August 2011)
Seiten: 336
Preis: 16,95 €
Einzelband
Wertung: ♥♥♥
Danke an den Thienemann Verlag!





Inhaltsangabe

1900 - ein neues Jahrhundert ist geboren. Mit pochendem Herzen steht Henrietta an der Reling der "Gertrud Woermann". Ein unbekannter Kontinent liegt vor ihr: Afrika. In Begleitung ihrer Mutter begibt sie sich auf die weite Reise. Hinter ihr liegen Enge, Armut, Hoffnungslosigkeit. Wird sie im fernen Namibia ihr Glück finden? Frei und ungebunden ihre geheimsten Träume leben können? Ein spannender Auswandererroman und eine große Liebesgeschichte.


Was hat mir an dem Buch gefallen?

Gina Meyers Roman Die Wildnis in mir ist von Anfang bis Ende authentisch, was den Schreibstil und die Verhältnisse der damaligen Zeit angeht. Sie hat sehr ausführliche Recherchen betrieben, was das Buch zu etwas besonderem macht. Man lernt viel über die Zeit, in der Deutschland Kolonien in Afrika hatte und man ist teilweise sehr erschrocken über die Zustände, die dort herrschen. 

Es gibt zu dieser Zeit das typische „schwarz“ und „weiß“ denken. Die „Weißen“ sind den „Schwarzen“ überlegen und bringen ihnen, ihrer Meinung nach nur Vorteile wie Bildung, Kultur und eine geregelte Wirtschaft. Als Leser sieht man aber bald ein, dass dies nur eine Illusion ist und die „Herrschaft“ der „Weißen“ das Leben der „Schwarzen“ nicht unbedingt besser macht. Man hinterfragt viele Dinge und kann nur den Kopf über die Zustände in Afrika schütteln. 

Das Afrika zu jener Zeit zu erforschen ist sehr interessant und man lernt als Leser viel dazu.

Henriettas Geschichte, die in Die Wildnis in mir erzählt wird, hebt sich von vielen historischen Jugendromanen ab, die ich bisher gelesen habe. Sie ist im Vergleich zu anderen Geschichten sehr traurig und regt den Leser viel mehr zum Nachdenken an, als vergleichbare Werke anderer Autoren. Das liegt vor allem daran, dass hier die historischen Aspekte und die Orte  sehr stark mit der eigentlichen Handlung verwebt sind. In anderen Romanen ist es meist so, dass die geschichtliche Einordnung nur den Rahmen bildet und die sonstige Handlung relativ unabhängig davon ist. Hier wird auf die Verhältnisse und Umgebungen aber auf eine ganz besondere Art eingegangen. Es ist wirklich schwer zu beschreiben was ich meine, aber ich hoffe, ihr versteht das trotzdem.

Wer also einen historischen Jugendroman will, von dem man etwas lernen will und der zum Nachdenken anregt, der ist mit Die Wildnis in mir gut beraten. Ich bin momentan aber eher die Art „Ich-will-mit-meinen-Protagonisten-mitfiebern-und-eine-Menge-Spannung-haben“ – Leser.


Was hat mir an dem Buch nicht so gut gefallen?

Leider wurde ich mit der Protagonistin Henrietta nicht warm. Sie ist eine typische Teenagerin, die ihren eigenen Willen hat und auch versucht, diesen durchzusetzen. Dafür ist sie auch das ein oder andere Mal bereit, zu lügen. Sie bereut zwar im Nachhinein, dass sie gelogen hat, aber sie traut sich nicht, die Dinge wieder gerade zu Rücken. Eine ihrer Lügen ist auch dafür verantwortlich, dass sich ihre Mutter dazu entscheidet, den Antrag eines Missionars anzunehmen und mit Henriette nach Afrika auszuwandern.

Henrietta hat kein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter und ist vor allem ihr gegenüber manchmal sehr stur und einfühllos. Aufgrund ihrer Sturheit und ihrer Naivität an manchen Stellen ist sie mir von Anfang an unsympathisch gewesen. Ihre Einstellung ändert sich im Laufe des Romans zwar, aber kurz vor Ende macht sie eine Bemerkung, bei der ich gedacht habe: „Nein, das kann doch nicht dein ernst sein?! Nach allem, was du erlebt hast?!“

Henrietta erlebt eine Menge. Ziemlich bald nach ihrer Ankunft in Afrika stirbt ihre Mutter und Henrietta beschließt, vom Gut ihres Stiefvaters zu fliehen. Dabei verliebt sie sich in einen „Schwarzen“, sie lebt bei einem Eingeborenen Stamm und muss sich mit den Zuständen in Afrika arrangieren. Hierbei lernt man wunderbar das Land und seine Eigenarten kennen, aber wirklich mitreißend finde ich die Handlung leider nicht. Das liegt einerseits daran, dass ich Henrietta nicht sonderlich leiden kann, andererseits daran, das Henrietta, die diese Geschichte 5 Jahre später „rückwirkend“ erzählt, während der ganzen Zeit sehr resigniert und traurig klingt. Zu dem greift sie vielen Ereignissen vor und man weiß als Leser schon bald, dass ihre Geschichte kein glückliches Ende haben wird.

Ich bin hin und hergerissen, was Die Wildnis in mir betrifft…


Fazit

Wer einen gut recherchierten historischen Jugendroman lesen will, von dem man einiges lernen kann und der sehr schön geschrieben ist, der sollte sich Die Wildnis in mirunbedingt einmal anschauen. Wer momentan allerdings eher auf Bücher aus ist, die spannend, witzig und „fantastisch“ sind, für den ist dieses Buch nichts.

Ich gebe Die Wildnis in mir 3 Pancakes.


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